Nur zwei Tage außerhalb von Hanoi kann man Tintenfisch essen, der vor vier Stunden noch im Meer schwamm, kaltes Bier auf einem Steg trinken, der nach Salz und Holzkohle riecht, und am Montagmorgen trotzdem wieder pünktlich am Schreibtisch in Hoan Kiem sitzen. Die Ha Long-Bucht und die Insel Cat Ba werden schnell als reine Pauschalreise-Ziele abgetan – und das sind sie auch, wenn man seine Mahlzeiten von einem Reisebüro planen lässt. Tun Sie es nicht.

Anreise

Die Standardvariante ist ein Schlafbus vom Busbahnhof My Dinh oder Gia Lam nach Ha Long City (ca. 170.000–220.000 VND, 3,5 Stunden). Wer am Freitagabend direkt nach der Arbeit losfährt, ist bis 22 Uhr da. Alternativ kann man auch am Samstagmorgen fahren und verliert dadurch ein paar Stunden – ganz wie man möchte. Von Ha Long City aus dauert die Fähre nach Cat Ba (über den Hafen Gia Luan) noch einmal eineinhalb Stunden.

Wer die erste Nacht in Ha Long City verbringt, macht alles richtig. Denn genau hier sollte man als Erstes "cha muc" probieren.

Tag 1 – Ha Long City: Cha Muc und der Nachtmarkt

Das Gericht, für das Ha Long wirklich berühmt ist

"Cha muc" ist die Spezialität von Ha Long: Gehackter Tintenfisch, der mit Schweinefett, Knoblauch und Fischsauce zerstoßen und dann zu dicken, leicht zähen Puffern frittiert wird. Man findet sie überall in der Stadt, aber der Qualitätsunterschied zwischen einer lieblosen Version an der Touristenmeile und einem echten, traditionellen Stand ist riesig. Am besten hält man sich an die Tran Hung Dao Street oder die Seitengassen nahe dem Bai Chay Market – und sucht nach Ständen, an denen Einheimische essen, nicht nach denen mit laminierten englischen Speisekarten.

Ein Teller Cha muc mit Reis und eingelegtem Gemüse kostet an einem Straßenstand etwa 40.000–60.000 VND. Restaurants in der Nähe des Touristenhafens verlangen oft das Dreifache für dasselbe Gericht.

Auch "Banh cuon" gibt es an den Frühstücksständen in Ha Long in einer lokalen Variante – die Reisteigblätter sind dicker als in Hanoi und manchmal mit gehackten Judasohren-Pilzen und getrockneten Garnelen gefüllt. Wer früh auf den Beinen ist, sollte das unbedingt probieren.

Abendessen auf dem Fisch-Nachtmarkt

Auf dem Nachtmarkt von Hon Gai (auf der Seite des Fährterminals, nicht an der Hotelmeile von Bai Chay) essen die Einwohner von Ha Long zu Abend. Man sucht sich lebende Meeresfrüchte aus Aquarien oder von Eisbetten aus – Archenmuscheln, Fangschreckenkrebse, Blumenkrabben, Meeresschnecken – und die Verkäufer grillen oder dämpfen sie frisch auf Bestellung. Man sollte mit etwa 150.000–250.000 VND pro Person rechnen, inklusive ein paar Gläsern "Bia hoi" am Gemeinschaftstisch. Bargeld einpacken, auf das Gewünschte zeigen und nicht zu viel nachdenken.

Frische Meeresfrüchte werden auf einem Holzkohlegrill in Rach Gia, Vietnam, gegrillt.

Foto von Marcus Luu auf Pexels

Tag 2 – Cat Ba Island: Vom Fischerdorf-Frühstück bis zur Krabbe bei Sonnenuntergang

Vormittag: Weg von der Hauptstraße

Die Uferpromenade von Cat Ba Town ist gesäumt von Hotels, die überteuerte Frühstücksmenüs anbieten. Wenn man jedoch fünf Minuten landeinwärts in Richtung Markt (Cho Cat Ba) läuft, ändert sich die Atmosphäre komplett. Nudelsuppen mit Schweinefleisch, "Bun Rieu" mit Krabbenpastenbrühe und Reisbrei mit getrocknetem Tintenfisch werden hier schon vor 8 Uhr morgens für unter 40.000 VND angeboten.

Wenn es ein einziges Gericht gibt, das die gesamte Reise rechtfertigt, dann ist es eine Schüssel Bun Rieu hier – die Krabbenpaste wird aus einheimischen Süßwasserkrabben hergestellt, die Brühe ist kräftig und tomatenrot, und hier kommt garantiert nichts aus der Fertigpackung.

Mittags: Meeresfrüchte in der Lan Ha-Bucht

Eine kurze Fahrt mit dem Motorrad (oder einem Xe om für ca. 80.000 VND) bringt einen zum Pier von Phu Long oder Ben Beo, wo schwimmende Fischfarmen direkt vor der Küste liegen. Einige familiengeführte Restaurants arbeiten direkt auf oder neben dem Wasser – ohne Speisekarte, es gibt einfach das, was frisch gefangen wurde. Gegrillte Jakobsmuscheln mit Frühlingszwiebeln und Erdnussöl, gedämpfte Muscheln mit Zitronengras oder frische Kräuter im Stil von "Goi Cuon", gewickelt um gegrillten Fisch. Für zwei Personen inklusive Getränke zahlt man etwa 200.000–350.000 VND.

Das hier ist nicht das Instagram-taugliche schwimmende Restaurant mit dem 500.000 VND teuren "Seafood Set", das für Kreuzfahrtpassagiere beworben wird. Fragen Sie am besten den Besitzer Ihrer Unterkunft, wo er selbst essen geht – die Antwort lautet fast nie am Hauptanleger.

Nachmittag: Verdauungsspaziergang (oder auch nicht)

Die Wanderwege des Cat Ba-Nationalparks führen ins Landesinnere, falls man sich nach dem Essen etwas bewegen möchte. Die Cat Co-Strände (Cat Co 1, 2, 3) liegen 15 Gehminuten von der Stadt entfernt und bieten genug Schatten für ein Nickerchen, bis die größte Hitze vorbei ist. Die Kajaktouren, die am Hauptanleger starten, kann man getrost auslassen – die Routen sind überlaufen und im Vergleich zu lokalen Bootsbetreibern völlig überteuert.

Sonnenuntergang: Die Krabben-Frage

Wegen der "Cua bien" (Meereskrabbe) von Cat Ba kommen viele Besucher immer wieder zurück. Die größeren Restaurants an der Uferpromenade von Cat Ba bieten sie alle an, aber die Preise sind oft undurchsichtig – man sollte vor der Bestellung immer den Preis pro 100 g erfragen. Eine mittelgroße Krabbe, mit Ingwer gedämpft und mit einem Dip aus Salz, Pfeffer und Limette serviert, kostet an ehrlichen Ständen etwa 180.000–250.000 VND pro 100 g. In Touristenrestaurants ohne angeschriebene Preise können daraus schnell mal 400.000 VND werden. Auf das Becken zeigen, nach dem Gewicht fragen, sich auf einen Preis einigen.

Als Getränk dazu: "Ca phe sua da" gibt es überall in der Stadt, auch wenn die meisten zum Sonnenuntergang auf Bier umsteigen. Lokale Dosen von Halida oder Hanoi sind deutlich günstiger als die importierten Flaschenbiere auf den Speisekarten.

Frische Meeresfrüchte werden auf einem Holzkohlegrill in Rach Gia, Vietnam, gegrillt.

Foto von Marcus Luu auf Pexels

Rückreise nach Hanoi

Am Sonntagnachmittag geht es mit der Fähre zurück nach Ha Long City (die letzten Abfahrten ab Gia Luan sind gegen 17 Uhr), gefolgt von einem Direktbus nach Hanoi vom Busbahnhof Bai Chay in Ha Long. Gesamte Rückreisezeit: 4–5 Stunden. Am Sonntag sollte man das Busticket unbedingt im Voraus buchen – die Busse sind schnell ausgebucht.

Praktische Hinweise

Gesamtbudget für Essen an zwei Tagen (gut essen, ohne zu prassen): 400.000–700.000 VND pro Person. Wer Cha muc mit nach Hanoi nehmen möchte, bringt am besten eine kleine Kühltasche mit – in der Pfanne lässt es sich hervorragend wieder aufwärmen. Die Fährverbindung zwischen Ha Long und Cat Ba ist der unberechenbarste Teil der Reise; prüfen Sie das Wetter und bestätigen Sie die Fahrpläne am Morgen Ihrer Abreise.

— ENDE —

Zuletzt aktualisiert · May 29, 2026 · unabhängig recherchiert, nie gesponsert.