Die pflanzliche Gastronomieszene in Hanoi bestand früher meist aus einer Schüssel Tofu im Tempelstil mit Reis in einer kleinen Chay-Garküche in einer Seitengasse. Das gibt es immer noch – und es lohnt sich nach wie vor –, aber rund um Tay Ho und den West Lake hat sich in den letzten fünf Jahren eine parallele Szene entwickelt. Sie zieht Expats, zurückgekehrte Vietnamesen und Einheimische an, die auf Fleisch verzichten und sonntags einen richtig guten Brunch genießen möchten.
Dies ist keine Liste aller veganen Restaurants der Stadt. Es sind die Orte, für die sich ein Umweg wirklich lohnt.
Der Tay-Ho-Kontext
Der Bezirk Tay Ho – die Halbinsel, die sich um die Westseite des West Lake schmiegt – ist das inoffizielle Expat-Zentrum von Hanoi (하노이 / 河内 / ハノイ). Die Mieten sind höher, es ist ruhiger als im Old Quarter und die Café-Kultur spiegelt das wider: mehr Third-Wave-Coffee, mehr Avocado-Toast und mehr Orte, an denen man zwei Stunden sitzen kann, ohne schief angeschaut zu werden. Für eine pflanzliche Ernährung spielt einem das in die Karten. Die Besitzer haben ihre Speisekarten auf verschiedene Ernährungsbedürfnisse abgestimmt, weil ihre Kundschaft danach verlangt.
Dennoch ist die Gegend keine isolierte Blase. Kombiniert mit einem Spaziergang am See und einem Besuch der Tran Quoc Pagoda am Ostufer lässt sich hier wunderbar ein halber Tag verbringen.
Brunch, für den sich das Aufstehen lohnt
Joma Bakery Cafe
Joma ist eine ursprünglich aus Laos stammende Kette, die schon so lange an der Hauptstraße von Tay Ho (Xuan Dieu) ansässig ist, dass sie als echte Institution im Viertel gilt. Die pflanzlichen Optionen – Grain Bowls, Avocado auf Sauerteigbrot, eine gute Auswahl an Smoothies – sind beständig gut und mit 80.000–130.000 VND pro Teller fair kalkuliert. Der Kaffee ist verlässlich. Das Café versucht nicht, das Rad neu zu erfinden, aber es ist die Art von Ort, an den man während einer Reise gleich zweimal zurückkehrt, weil einfach alles passt.
The Lofty
Das The Lofty liegt etwas ruhiger, eine Straße vom See entfernt, und bietet klassische Brunch-Gerichte mit einer klaren Kennzeichnung, was vegan und was vegetarisch ist. Das Pilz-Rührei auf Roggenbrot und die Acai-Bowl sind beide hervorragend. Am Wochenende wird es ab 9:30 Uhr voll. Wer früh kommt oder unter der Woche vorbeischaut, sichert sich die besten Tische am Fenster. Die Preise für Hauptgerichte liegen bei etwa 100.000–160.000 VND.
Hanoi Social Club
Etwas weiter in Richtung Old Quarter in der Straße Hoi Vu gelegen, bietet dieser Ort schon länger als die meisten anderen pflanzenbasierte Brunch-Optionen an. Die Speisekarte wechselt, enthält aber meist eine hervorragende vegetarische „banh mi“-Variante – keine klassische Street-Food-Version, sondern eine dekonstruierte Interpretation, die dem Original dennoch gerecht wird. Das Gebäude ist ein umgebautes Stadthaus aus der französischen Kolonialzeit mit einem Innenhof, was den Besuch schon allein wegen der Atmosphäre lohnenswert macht. Für einen kompletten Brunch-Teller zahlt man zwischen 120.000 und 180.000 VND. Für die Nicht-Veganer am Tisch gibt es hier auch den berühmten „egg coffee“.

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Chay – Die traditionelle pflanzliche Küche
Lange vor den modernen Brunch-Cafés gab es in Hanoi bereits „Chay“ – die buddhistisch-vegetarische Küche, die traditionell am 1. und 15. Tag des Mondkalenders gegessen wird. Das Essen in einem guten Chay-Restaurant unterscheidet sich grundlegend von dem, was man in den auf Expats ausgerichteten Lokalen bekommt: Klebreis mit Tofuhaut, vegetarischer Fleischersatz geschmort mit Zitronengras oder eine vegetarische „pho“ mit Pilzbrühe statt Knochenbrühe. Der Kontrast zwischen diesen beiden Welten ist faszinierend.
Für ein Chay-Mittagessen nach dem Brunch (oder als Alternative dazu) bietet die Straße Chua Lang in Dong Da mehrere einfache Garküchen, in denen eine Schüssel 30.000–60.000 VND kostet. Die Fahrt von Tay Ho dauert etwa 20 Minuten, lohnt sich aber für den Einblick, den man darüber gewinnt, was pflanzliche Ernährung im vietnamesischen Alltag wirklich bedeutet.
Kaffee und Optionen für den Nachmittag
Wer den Tag am West Lake verbringt, muss die Café-Tour nach dem Brunch nicht beenden.
Das Tranquil Books and Coffee in der Straße Ma May (nahe dem Old Quarter) bietet eine echte Auswahl an englischsprachigen Büchern und einen guten Cold Brew. Es liegt zwar nicht in Tay Ho, lässt sich aber ideal einplanen, wenn man sich am Nachmittag vom See in Richtung Old Quarter bewegt.
Das Cafe Pho Co in der Straße Hang Gai ist berühmt für seinen Dachterrassenblick über den Hoan Kiem Lake. Es serviert traditionellen vietnamesischen Kaffee, darunter „ca phe sua da (연유커피 / 越南冰咖啡 / ベトナムアイスコーヒー)“ sowie eine Variante des Egg Coffee. Obwohl die Karte klein ist, rechtfertigt die Kulisse den Umweg. Es ist nicht speziell auf pflanzliche Ernährung ausgerichtet, aber völlig ausreichend, wenn man nur einen Kaffee trinken möchte.
Das Yen Cafe auf der Halbinsel von Tay Ho bietet neben Kaffee auch Lotus-Tee an – die für Hanoi typische Variante aus Lotusblüten des West Lake, leicht duftend und kalt oder warm serviert. Wenn man ihn nur einmal probieren möchte, bietet sich das hier aufgrund der Nähe zum See an.

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Was man vorab wissen sollte
Die Kennzeichnung auf den Speisekarten ist uneinheitlich. „Vegetarisch“ bedeutet im vietnamesischen Kontext oft nur der Verzicht auf rotes Fleisch, kann aber Fischsauce oder Garnelenpaste als Würzmittel enthalten. In Cafés, die sich an Expats richten, wie dem The Lofty und dem Hanoi Social Club, ist die vegane Kennzeichnung genauer. In Chay-Restaurants sollte alles rein pflanzlich sein. Bei schweren Allergien empfiehlt es sich jedoch nachzufragen, da in den Küchen oft dieselben Utensilien verwendet werden.
Die Preise spiegeln die Gegend wider. In Tay Ho zahlt man 20–30 % mehr als für dasselbe Essen in anderen Teilen der Stadt. Ein Brunch-Teller für 140.000 VND (ca. 5,50 USD) ist hier Standard – für internationale Verhältnisse nicht teuer, für Hanoi jedoch etwas über dem Durchschnitt.
Anreise: Tay Ho liegt etwa 5 km nordwestlich des Hoan Kiem Lake. Eine Fahrt mit Grab aus dem Old Quarter kostet 40.000–60.000 VND und dauert außerhalb der Hauptverkehrszeit 15–20 Minuten. Eine Fahrradtour entlang des Westufers des West Lake ist ebenfalls sehr angenehm, wenn man ein Rad zur Verfügung hat.
Praktische Hinweise
Die Brunch-Szene in Tay Ho ist am Wochenende zwischen 8:00 und 12:00 Uhr am belebtesten – beliebte Plätze füllen sich schnell und Reservierungen sind oft nicht möglich. Unter der Woche ist es morgens ruhiger, der Kaffee ist jedoch genauso gut. Wer den Brunch mit Sightseeing verbinden möchte: Der Spaziergang oder die kurze Fahrt von der Tran Quoc Pagoda nach Xuan Dieu dauert weniger als zehn Minuten und bietet sich als ideale Vormittagsrunde an.
Zuletzt aktualisiert · May 26, 2026 · unabhängig recherchiert, nie gesponsert.








