Warum Schlafbusse das Reisen in Vietnam dominieren

Schlafbusse befördern jedes Jahr Millionen von Vietnamesen. Sie kosten nur halb so viel wie Züge, sind zu den meisten Zielen schneller als normale Reisebusse und man spart sich eine Hotelübernachtung. Aber sie sind nicht für jeden geeignet – und wer seine Erwartungen von vornherein richtig anpasst, erspart sich den Frust in den ersten 8 Stunden.

Wie die Kabinen in Schlafbussen aufgebaut sind

Die meisten Schlafbusse fassen 30–40 Fahrgäste in übereinanderliegenden Stockbetten. Eine typische Aufteilung: zwei Reihen von Betten, jeweils 6–8 Kojen hintereinander, die sich über die gesamte Länge des Busses erstrecken. Deine Koje ist etwa 1,9 m lang, 0,6–0,7 m breit und bietet 30–40 cm Kopffreiheit – genug, um flach zu liegen, aber nicht genug, um aufrecht zu sitzen.

Die Ausstattung der Kabinen variiert:

  • Klimaanlage: Meistens eingeschaltet, manchmal zu kalt. Bringe Kleidung im Zwiebellook mit.
  • Beleuchtung: Individuelle LED-Leselampen (oft schwach).
  • Stauraum: Kleines Fach unter der Koje oder gemeinsamer Gepäckraum unten im Bus.
  • Toilette: Eine an Bord (Hock- oder westliche Toilette, Sauberkeit ist Glückssache).
  • Vorhänge: Dünne Stofftrenner für etwas Privatsphäre, kein Schallschutz.

Die mittleren Kojen sind am besten – leichterer Zugang, weniger Motorvibrationen als hinten und weniger holprig als vorne. Die oberen Kojen schwanken bei Kurvenfahrten leicht; von den unteren Kojen aus kann man den Gang beobachten. Beide sind nicht ideal, wenn du groß bist oder unter Platzangst leidest.

Top-Anbieter: Bei wem du buchen solltest

Hoang Long (hoanglong.com.vn) und Phuong Trang/Futa (futabus.vn) betreiben die zuverlässigsten Netzwerke. Beide bedienen die Strecke HanoiSaigon sowie regionale Routen (Hanoi–Da Lat, Saigon–Nha Trang (냐짱 / 芽庄 / ニャチャン) usw.) mit neueren Bussen (ab Baujahr 2015) und geschultem Personal. Hoang Long ist etwas beständiger in der Qualität; Futa ist günstiger und deckt mehr ländliche Strecken ab.

SinTourist und Thanh Buoi sind solide Optionen für Backpacker – die Busse sind zwar etwas schmutziger und die Fahrer jünger, aber sie fahren zuverlässig. Meide nicht lizenzierte Anbieter an den Busbahnhöfen; du wirst dort Schlepper sehen, die Tickets 50.000 VND günstiger anbieten. Das Risiko von Pannen oder Diebstahl ist diese Ersparnis nicht wert.

Mittelklasse-Anbieter wie The Sinh Tourist richten sich an Touristen und neigen dazu, Kojen überzubuchen (es kann passieren, dass du dir eine Koje mit einem Fremden teilen musst – bestätige dies bei der Buchung).

Thaco Hyundai 115L Bus in Vietnam - Innenraum

Bild von Ilya p via Wikimedia Commons (CC BY-SA)

Buchung: Online vs. auf der Straße

Online-Plattformen (empfohlen):

  • 12go.asia: Englische Benutzeroberfläche, sofortige Bestätigung, deckt die meisten vietnamesischen Anbieter ab. Du zahlst eine Buchungsgebühr von 5–10 %, aber das System ist transparent und erstattungsfähig, wenn du 24 Stunden im Voraus stornierst.
  • Vexere.com: In vietnamesischem Besitz, günstiger als 12go (kein Aufschlag), aber die Benutzeroberfläche ist unübersichtlich, wenn man kein Vietnamesisch spricht. Beliebt bei Einheimischen und Reisegruppen.
  • Websites der Anbieter: Bei Futa und Hoang Long kannst du direkt buchen und dir die Provision sparen, aber der englischsprachige Support ist minimal.

An Busbahnhöfen (Giap Bat in Hanoi, Mien Dong in Saigon): Du kannst einfach hingehen, vergleichen und verhandeln. Die Preise sind niedriger, aber es gibt keine Sitzplatzgarantie und du könntest zu Touren gedrängt oder Opfer von "Upgrade"-Betrugsmaschen werden.

Buche 3–5 Tage im Voraus für mehr Flexibilität und niedrigere Preise. Während Tet und den Schulferien (Juni–Juli, Dezember) solltest du 2 Wochen im Voraus buchen, sonst musst du mit ausgebuchten Bussen und Preisanstiegen von 20–30 % rechnen.

Was du mitbringen solltest und was dich erwartet

Packe in dein Handgepäck:

  • Schlafmaske und Ohrstöpsel: Unverzichtbar. Die Kabinenbeleuchtung bleibt beim Einladen an und die Fahrer hupen die ganze Nacht durch.
  • Dünner Fleecepullover oder Sarong: Die Klimaanlage ist oft aggressiv eingestellt; eine Decke liegt zwar meist auf der Koje, ist aber oft dünn oder klamm.
  • Lockere, lange Kleidung: Jeans sind für 12 Stunden unbequem. Baumwollhosen, Leggings oder Shorts sind besser geeignet.
  • Nackenkissen: Das Kissen in der Koje (falls vorhanden) ist steinhart oder schlicht nicht existent.
  • Hygieneartikel: Toilettenpapier an Bord ist eine Seltenheit. Feuchttücher, Handdesinfektionsmittel, Deo.
  • Medikamente: Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen, Reisetabletten, falls dir schnell übel wird.
  • Handyladekabel: Die meisten modernen Busse haben USB-Anschlüsse an jeder Koje (gehe aber lieber davon aus, dass sie nicht funktionieren, bis du das Gegenteil siehst).
  • Wasserflasche: An Raststätten auffüllen. Der Bus hält nicht extra für Toilettenpausen an, es sei denn, jemandem ist schlecht.

Realitätscheck:

  • Du wirst keine 8 Stunden am Stück schlafen. Stelle dich auf 5–6 unruhige Stunden ein, wenn du Pech hast.
  • Der Bus hält 2–4 Mal für Toiletten-/Essenspausen (jeweils 15–20 Min.). Erwarte mittelmäßiges Com Tam und Instantnudeln an Straßenbuden.
  • Die Fahrer halten sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Beschleunigen, Bremsen und Hupen stehen an der Tagesordnung.
  • Wenn dein Kojen-Nachbar schnarcht oder du selbst schnarchst, wirst du es bereuen. Es gibt keine Ausweichmöglichkeit.
  • Diebstahl ist selten, kommt aber vor. Behalte Wertsachen bei dir und verstaue sie nicht im gemeinsamen Gepäckraum.

Transinco Bus in Vietnam - Innenraum 01

Bild von Ilya Plekhanov via Wikimedia Commons (CC BY-SA)

Schlafbus vs. Zug vs. Flugzeug

Der Schlafbus punktet bei:

  • Kosten: 200.000–400.000 VND (HanoiSaigon (사이공 / 西贡 / サイゴン)), im Vergleich zu 600.000+ für Züge und 800.000+ für Flüge.
  • Bequemlichkeit: In vielen Fällen ein Tür-zu-Tür-Service; keine Flughafentransfers.
  • Häufigkeit: Mehrere Abfahrten täglich; Züge fahren nur 1–2 Mal am Tag.

Der Zug punktet bei:

  • Komfort: Breitere Kojen, besseres Essen, weniger Hupen, Platz, um sich zu bewegen.
  • Geselligkeit: Geteilte Abteile, wenn du andere Reisende kennenlernen möchtest.
  • Gepäck: Großzügigere Freigepäckmengen.

Das Flugzeug punktet bei:

  • Geschwindigkeit: Hanoi (하노이 / 河内 / ハノイ)–Saigon in 2 Stunden im Vergleich zu 24 Stunden im Bus.
  • Vorhersehbarkeit: Geringere Wahrscheinlichkeit von Verspätungen durch Verkehr oder Pannen.

Der Kompromiss: Der Schlafbus ist ein Mittelweg. Du sparst Geld und eine Hotelübernachtung, wirst aber gerädert und verspannt ankommen. Wenn du ein knappes Budget hast und flexibel bist, lohnt es sich. Wenn du das nötige Kleingeld und nur wenig Zeit hast, nimm den Flug oder den Zug.

Praktische Hinweise

Die Ankunft am Terminal für den Check-in erfolgt normalerweise 30–45 Minuten vor Abfahrt. Halte deine Buchungsbestätigung auf dem Handy (oder ausgedruckt) bereit – zeige sie dem Personal, um deine Koje zu finden. Die Sitzplatznummern stehen in kleiner Schrift an den Kabinenwänden. Wenn du zu spät kommst, fährt der Bus möglicherweise ohne dich ab; verlasse dich nicht darauf, dass der Fahrer wartet. Bringe zu guter Letzt Bargeld mit (keine Online-Zahlung an Raststätten möglich) und stelle dich darauf ein, dass der Bus an Feiertagen voll ist – Flexibilität ist hier dein bester Freund.

— ENDE —

Zuletzt aktualisiert · May 29, 2026 · unabhängig recherchiert, nie gesponsert.