Thac Lieng Nung steht auf den wenigsten Touristenrouten — und genau das macht ihn sehenswert. Dieser breite, donnernde Wasserfall stürzt etwa 30 Meter über eine Steilwand aus dunklen Basaltsäulen in der heutigen Provinz Lam Dong — umgeben von Kaffeeplantagen, dichtem Wald und erfreulich wenig Selfie-Sticks.
Was es ist
Thac Lieng Nung (auch als Lieng Nung Falls bekannt) liegt etwa 15 km südlich der Stadt Duc Trong im Hochland der Provinz Lam Dong. Der Wasserfall wird von einem Nebenfluss des Da Nhim gespeist und fällt über säulenförmigen Basalt — dieselben sechseckigen Gesteinsformationen wie beim Giant's Causeway, nur hier eingebettet in tropisches Grün und roten Lateritboden.
Der Name stammt aus der Sprache der K'Ho, einer ethnischen Minderheit. Die K'Ho und die Ma leben seit Jahrhunderten in diesem Hochland, und der Wasserfall hat für die lokalen Gemeinschaften seit jeher eine spirituelle Bedeutung. Wer genau hinschaut, entdeckt am Fuß kleine Schreine und Opfergaben.
Anders als die stärker erschlossenen Wasserfälle näher an Da Lat — Datanla, Elephant Falls, Pongour — ist Lieng Nung vergleichsweise unbekannt geblieben. Es gibt einen Kassenhäuschen, einen angelegten Pfad und kaum mehr. Das ist sein Reiz.
Warum Reisende hierherkommen
Im Wesentlichen aus drei Gründen. Erstens die Basaltsäulen. Sie bilden eine dramatische, dunkle Wand hinter und neben dem Wasserfall — in der Regenzeit breitet sich das Wasser über die gesamte Breite von gut 40 Metern aus und ergibt einen weißen Vorhang, der wirklich beeindruckend ist. Zweitens die Ruhe. An einem Wochenende teilt man den Ort vielleicht mit einigen vietnamesischen Familien, unter der Woche hat man ihn oft ganz für sich. Drittens fügt er sich gut in eine umfassendere Reise durch das Zentralhochland ein, wenn man zwischen Da Lat und Zielen weiter im Süden oder Westen unterwegs ist.
Fotografen kommen wegen des goldenen Lichts, das zwischen März und September gegen 16:30–17:00 Uhr durch das Blätterdach bricht. Der Sprühnebel des Wasserfalls fängt es wunderschön ein.
Beste Reisezeit
In der Regenzeit — grob von Mai bis Oktober — sind die Fälle auf voller Kraft. September und Oktober bieten in der Regel den stärksten Wasserdurchfluss. Der Nachteil: Die Wege werden matschig und rutschig, und nachmittägliche Regenschauer sind fast täglich.
In der Trockenzeit (November bis April) ist der Wasserfall schwächer, dafür ist der Zugang einfacher und der Himmel klarer. Die Monate Januar bis März sind ideal für angenehmes Wetter — Tageshöchstwerte um 24–26 °C, kühle Morgen.
Große Feiertagswochenenden rund um Tet sollte man meiden, wenn einem Einsamkeit wichtig ist. Die Fälle selbst sind nicht so überlaufen wie Ninh Binh oder Ha Long, aber die Straßen füllen sich und die Unterkunftspreise steigen.
Anreise
Von Da Lat liegt Thac Lieng Nung etwa 50 km südlich — mit dem Motorroller über die QL20 und Nebenstraßen rund 1,5 Stunden. Die Fahrt führt durch Kaffee- und Macadamia-Plantagen und ist für geübte Zweiradfahrer sehr angenehm.
Wer aus Saigon kommt, fährt am besten mit dem Nachtsleeper-Bus nach Da Lat (rund 300.000 VND, 7–8 Stunden) und mietet sich in der Stadt ein Motorrad für 120.000–180.000 VND pro Tag. Mehrere Verleihshops entlang der Phan Dinh Phung Street bieten Schalt- und Halbautomatik-Modelle an.
Mit dem Auto kann man ab Da Lat einen Privatfahrer für etwa 800.000–1.200.000 VND inklusive Wartezeit buchen. Grab funktioniert hier nicht zuverlässig.
Die letzten Kilometer zum Wasserfall führen über eine Betonpiste, die zur Einfahrt hin schmaler wird. Es gibt einen kleinen Parkplatz. Der Eintrittspreis lag zuletzt bei 20.000 VND pro Person — so gut wie nichts.

Foto von Serg Alesenko auf Pexels
Was man tun kann
Der Hauptpfad vom Kassenhäuschen zum Fuß des Wasserfalls dauert zu Fuß etwa 15–20 Minuten und führt durch Wald mit unebenen Steinstufen bergab. Festes Schuhwerk mit Grip ist Pflicht — Flip-Flops sind keine gute Idee, besonders in der Regenzeit.
Am Fuß kann man bei ruhigem Wasser in das seichte Becken waten (bei Hochwasser nur am Rand). Die Basaltsäulen sieht man am besten von der linken Seite des Beckens, mit Blick zurück auf die Fälle. Auf der linken Uferseite gibt es einen improvisierten Kletterweg zu einem höheren Aussichtspunkt — für Fotos lohnt es sich, aber Vorsicht beim Gehen.
Jenseits des Wasserfalls selbst eignet sich die Umgebung gut für einen entspannten halben Tag. Die Zufahrtsstraße führt durch K'Ho-Dörfer, wo Kaffeebohnen auf Planen trocknen und gelegentliche Straßenstände Avocados, Maracujas und „ruou can" (Reiswein in Gemeinschaftskrügen mit Bambushalmen) anbieten. Wenn einem jemand einen Schluck anbietet, wäre eine Ablehnung unhöflich.
Essen und Trinken
Am Wasserfall gibt es kein Restaurant. Wasser und Snacks sollte man mitbringen. Für eine richtige Mahlzeit fährt man zurück in Richtung Duc Trong, wo eine Handvoll „Com Binh Dan"-Lokale (Alltagsküche) an der Hauptstraße liegen. Ein Teller Reis mit gegrilltem Schweinefleisch, Gemüse und Suppe kostet 35.000–50.000 VND.
Wer nach Da Lat zurückkehrt, sollte sich eine Schüssel „Bun Bo Hue" bei Bun Bo Hue Ba Tuyet an der Hai Ba Trung Street gönnen — kräftig, scharf und für rund 45.000 VND. Da Lat hat außerdem überraschend gutes „Banh Mi" von den Ständen rund um den zentralen Markt, und die Egg-Coffee-Szene der Stadt ist in den letzten Jahren mit einigen ordentlichen Cafés entlang der Tran Phu gewachsen.
Übernachten
Die meisten Reisenden übernachten in Da Lat und machen einen Tagesausflug nach Lieng Nung. Da Lat bietet Unterkünfte in jeder Preisklasse — Hostels ab 150.000 VND pro Nacht, solide Mittelklasse-Hotels für 500.000–800.000 VND und einige wirklich schöne Boutique-Unterkünfte für 1.200.000–2.000.000 VND oben in den Hügeln der Stadt.
Wer näher am Wasserfall bleiben möchte, findet in Duc Trong einige einfache Gästehäuser („Nha Nghi") für 200.000–350.000 VND. Mehr als ein sauberes Bett, warmes Wasser und halbwegs funktionierendes WLAN sollte man nicht erwarten. Dafür ermöglicht eine Unterkunft vor Ort, bei Sonnenaufgang an den Fällen zu sein, bevor die anderen kommen.

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Praktische Tipps
- Schuhwerk ist entscheidend. Der Weg ist stellenweise steil, und nasse Felsen sind glatt. Wanderschuhe oder zumindest alte Sneaker schlagen Sandalen.
- Trockenbeutel mitbringen, wenn man Elektronik dabei hat. Der Sprühnebel des Wasserfalls durchnässt alles im Umkreis von 20 Metern.
- Nur Bargeld. In der Nähe der Fälle gibt es keine Geldautomaten; die nächsten zuverlässigen findet man in Duc Trong oder Da Lat. Kleine Scheine für den Eintrittspreis und Straßensnacks einpacken.
- Kombinieren. Wer ohnehin die Wasserfälle rund um Da Lat erkundet, kann Lieng Nung gut ergänzen — besonders wenn Datanla zu sehr nach Freizeitpark wirkte.
- Insektenschutz. Mücken am Becken sind das ganze Jahr über hartnäckig.
Häufige Fehler
Der Klassiker: in Flip-Flops erscheinen — bei fast jedem Besuch humpelt jemand mit blauen Zehen den Weg wieder hoch. Ein weiterer Fehler: in der Trockenzeit mittags ankommen und von der geringen Wassermenge enttäuscht sein. Wem die Kraft der Fälle wichtig ist, sollte im September kommen. Und nach Einbruch der Dunkelheit sollte man die Strecke nicht mehr fahren — der letzte Abschnitt ist unbeleuchtet, die Piste so schmal, dass entgegenkommende Motorroller ohne jede Vorwarnung auftauchen.
Abschließende Bemerkung
Thac Lieng Nung kann mit den Höhlen von Phong Nha oder Ha Long Bay in Sachen Ausmaß nicht mithalten — bietet aber etwas, das in Vietnam heute schwer zu finden ist: einen wirklich schönen Ort, an dem der Tourismus das Erlebnis noch nicht überwalzt hat. Eineinhalb Stunden einplanen, vernünftige Schuhe anziehen, und man kommt mit besseren Fotos und weniger Trubel zurück als von jedem Wasserfall direkt rund um Da Lat.
Zuletzt aktualisiert · May 29, 2026 · unabhängig recherchiert, nie gesponsert.









